Freitag, 20. Oktober 2017

So weit die Füße tragen - Spartathlon 2017

Schuld ist Silvio. Er hatte mich beim Mauerweglauf 2016 ganz spontan zunächst an der Strecke getroffen und später, als mir wegen der Hitze die Lichter auszugehen drohten, mit eiskaltem Erdinger reanimiert. Dadurch entstand gleich im 100-Meilen-Erstversuch mit 18:40 Std. eine Zielzeit, die allemal ausreichte, Gedanken an eine Bewerbung für den Spartathlon 2017 aufkeimen zu lassen. Für diesen spätsommerlichen 246km-Turn von Athen nach Sparta, den etliche Eingeweihte auf ein ähnliches Niveau wie den legendären Badwater stellen, sind als Qualifikationsnorm u.a. 21:30 Std über die 100 Meilen nachzuweisen. Check. Und jünger wird man ja auch nicht. Ganz im Gegenteil: Ich könnte sogar am Tag der Finisher-Ehrung meinen nächsten Geburtstag feiern. Mmhh. Verlockend! - Und als ich diese zart aufkeimenden Gedanken mit ihm kommunizierte, war er gleich wieder Feuer und Flamme und sprach von einem garantiert geilen road trip über die Peleponnes. Nur ihm zu Liebe habe ich mich also im Januar 2017 um einen der 35 deutschen Startplätze (werden zentral über die DUV vergeben, Gesamtteilnehmerzahl ist auf knapp 400 beschränkt) beworben. Schnell kursierte die Info, dass es genau 35 deutsche Interessenten gab. Uff - nicht mal auf Lospech konnte ich also noch hoffen - und musste da durch.

Ein wenig Beruhigung gründete sich für mich in der Tatsache, dass ich zuvor ja den Deutschlandlauf absolviert haben würde (hüstel ...) und Trainingskilometer also voraussichtlich "automatisch" vorhanden sein würden. Aber im Ernst: Diese beiden Vorhaben in einer Saison - würde das funktionieren können? Motivationstechnisch, physisch? - Und nichts liegt mir ferner als Nächte durchlaufen zu müssen (nach einem Tag auf der Strasse, gefolgt von einem Tag auf der Strasse; de facto hatte ich das noch nie getan [in Biel startet man ja erst um 22h]), ohne Option auf ein kleines Schönheitsschläfchen am Wegesrand wie grundsätzlich bei meinen (wenigen) 24h-Läufen praktiziert. Und ich würde durchlaufen müssen, die Zeitlimits beim Spartathlon erlauben für einen Otto-Normalverbraucher wie mich nichts anderes.

Geplantes Harakiri also? Eigentlich schon. Nimmt man zu meinen persönlichen Schwächen (nachts lieber zu schlafen, und daher Etappenläufe den Ultra-Ultras vorzuziehen) noch die durchschnittlichen klimatischen Gegebenheiten beim Spartathlon (warm bis heiß, eher schattenlos; 2012: 18% Finisher) hinzu, und schaut auch neben der Streckenlänge (85km weiter als ich jemals zuvor gelaufen war) mal vorsichtig aufs Höhenprofil (z.B. d+ 900m nach exakt 150km, also irgendwann morgens zwischen 2 und 4h = zur absoluten prime time der Inneren Uhr; Gesamtanstieg ca. 3.200m d+), kann eigentlich keine andere Bewertung herauskommen als: das ist Wahnsinn, da habe ich nun wirklich nichts zu suchen. Aber genau das weckt ja immer wieder diese verfluchte Neugier in mir ....

Der Deutschlandlauf war inzwischen Geschichte, und ich hatte ihn mit einem blauen Auge (3 Wander-Etappen zum Schluß wegen eines geschwollenen Fußgelenks) insgesamt gut und kontrolliert zu Ende gebracht (großer Dank - und eigentlich auch der Pokal! -  gebührt dabei Harald, der mich am 31. Mai in letzter Sekunde davon abhielt, mich wg. Verletzungsproblemen, die im Mai aufgetreten waren, abzumelden). Was ich mir aber zugegebenermaßen nicht ausreichend plastisch ausgemalt hatte waren die körperlichen Auswirkungen, die die 19 ohne Pausentag gelaufenen, im Mittel 70km langen Etappen hervorriefen. Die Waage zeigte nach der Rückkehr von der Zugspitze Werte, die entweder auf eine schwache Batterie oder eben Aufzehrung sämtlicher körperlicher Reserven schließen ließen. An Laufen war zunächst überhaupt nicht zu denken, und auch 4 Wochen nach dem Ende des DL (= 4 Wochen vor Sparta) plagten mich noch massive, bis dato unbekannte Malessen, wie z.B. eine in der Brustwirbelsäule ausgelöste nervliche Blockade des Atemzentrums. So entstand die wahnwitzige Situation, dass ich in den 8 Wochen zwischen den beiden Mega-Laufevents meines Lebens summarisch gerade einmal auf die Distanz kam, die es in Griechenland in einem Rutsch zu bewältigen galt. Ein wenig Hoffnung keimte in den letzten Tagen vor der Abreise auf, als ich immerhin mal wieder einen Marathon schmerzfrei durchlaufen konnte. Es war der Berlin-Marathon (nunmehr mein insgesamt 5. dort), exakt 10 Jahre nach meinem ersten Marathon an gleicher Stelle, diesmal allerdings knapp ohne neuen Weltrekord. Ein richtig guter Lauf für mich mit zunehmend aufkommender Lauflust und damit am Ende sogar negativem Split. Es war mein 198. offizieller Marathon- oder Ultra-Lauf, und Sparta würde die Nr. 199 werden (normal war natürlich dafür die 200 vorgesehen, aber der diesjährige Mauerweglauf, nur eine Woche nach dem Deutschlandlauf, wurde als gescheitertes Experiment nach 32km vorzeitig beendet; gemeldet war ich da nur, weil ich mich für den Mauerweglauf vor dem DL entschieden hatte). Letztlich gab ich dann aber erst am Abend des Wahlsonntags verabredungsgemäß meinem Supporter Silvio (und mir) grünes Licht: Athen, wir kommen!

Unumgänglich war es - zum wiederholten Mal - anläßlich der zu bewältigenden, kaum vor dem geistigen Auge visuailiserbaren Aufgabe zunächst, sich ein sehr einfaches Konzept zurecht zu legen, das einen über die Strecke tragen würde. Es musste so einfach sein, dass ich mich auch noch im quasi-Delirium jenseits der 200km oder 30Std daran orientieren würde können:
  • Auf keinen Fall durften jemals Gedanken an die Entfernung (wie weit ist es noch?) zugelassen werden.
  • Vielmehr wollte ich über die 74 VPs (ja, wirklich, es gibt 74 bemannte VPs, an denen man sich ggf. 74 drop bags hinterlegen kann, und die einen maximalen Abstand von 4,7km, im Mittel von 3,2km haben) nur einen Aspekt verfolgen: "Wieviel Puffer habe ich jetzt an diesem VP auf die cut off-Zeit (und ist es mehr oder weniger als am letzten VP)?"
  • Und als darauf aufsetzende Rechenaufgabe: "Ab wann habe ich so viel Polster erarbeitet, dass ich mit 5km/h oder sogar 4 km/h auch marschierend das Ziel rechtzeitig nach 36 Stunden erreichen würde?" - Zugegeben, die Umsetzung dieser Rechnerei würde schon voraussetzen, dass gerade in einem späteren Stadium des Rennens noch nicht alle Proteine aus meinem Gehirn zum muskulären Ersatzdienst abgezogen sein würden. Aber ich hatte ja auch noch Silvio! -
  • Flankierend zu diesen eher technischen Aspekten wollte ich mich damit über Wasser halten, dass ich den Anlass des ursprünglichen, historischen Laufs des Pheidippides 490 v.Chr. - schnellstmöglich eine Botschaft zu überbringen - innerlich nachempfinden wollte. Ich gab mir also die Aufgabe - nein: den Befehl! - nach 36 Stunden in Sparta zu sein, um der Welt die mangels angreifender Perser evtl. etwas einfältige Meldung machen zu können, dass ich in 36 Stunden von Athen nach Sparta gelaufen sei und noch lebe. Und erwartete danach auch keinen Eintrag im Geschichtsbuch, sondern maximal in den Annalen der DUV. Nichts anderes als Finishen würde je im Fokus stehen.

Race Days -3
Der westeuropäische Billigflieger mit der mißglückten Piloten-Urlaubsplanung bringt mich pünktlich unpünktlich (und das liegt nicht nur an den gut 15min Rollzeit, um vom Abfertigungsgebäude von SXF zur Startbahn von BER zu gelangen) nach ATH, wo ich gleich auf Anhieb ungeplant wieder mit dem großen Vorhaben konfrontiert werde: Mindestens 1km sind vom Satelliten-Hub unterirdisch zu bewältigen, um zum Hauptgebäude zu gelangen. Gott sei Dank unterstützt von unendlichen Rollstegen, die ich zur Schonung der Energiespeicher ausnahmsweise benutze. Ich bin einen Tag früher angereist, als es das Rundum-Sorglos-Paket des Veranstalters (3 Übernachtungen mit Vollpension, dann der Lauf mit 74 VPs und drop bags, 1 Übernachtung in Sparta, Lunch in Sparta, Rückfahrt nach Athen, 2 Übernachtungen mit Vollpension, Gala-Empfang mit Ehrung am letzten Abend, Starter-Shirt, Finisher-Shirt, Medaille, Pokal, Olivenzweig -  das Ganze für letztlich nicht übertriebene 520 Euronen) vorsieht. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen wird, weniger wegen der beabsichtigten, aber aufgrund der moderaten Temperaturen nicht wirklich erforderlich werdenden Akklimatisierung als vielmehr, um die sukzessiv offenkundig werdenden Planungsdefizite in der Heimat noch vor Ort kompensieren zu können.

Das erste mittlere Abenteuer stellt bereits die Busfahrt im X96 vom Flughafen zum Hotel in Glyfada, südöstlich des Stadtzentrums unmittelbar am Meer gelegen, dar. Das "X" in der Linienbezeichnung steht wohl für Express, und das nimmt der Fahrer (Zigarette, Handy) wörtlich und donnert mit seinem klapprigen Gelenkbus mit 80 bis 90km/h durch die 50er Zonen, umkurvt geschickt die lahmen PKWs, und macht keinerlei Anstalten, jemals irgendwo zu halten. Wären wir nicht zuvor durch Ralf, den Spartathlon-Zentralkontaktmann und -Koordinator der DUV, mit ausführlichen, bebilderten Anfahrtbeschreibungen ausgestattet worden, wir hätten keine Ahnung gehabt, wo wir den Halteknopf hätten drücken sollen, man ist ja eher Analphabet hier in diesem Land. Wir - ja das sind 3 bis 5 Spartathleten, untrüglich erkennbar am ausgemergelten Gesicht und den unvermeidbaren Hokas an den Füßen - allein in diesem Bus. Beim Check-In im Hotel Palace, dem diesjährigen deutschen Mannschaftsquartier, das wir tatsächlich punktgenau treffen, werde ich, bevor ich ein Wort sagen kann, lächelnd mit den Worten begrüßt: "You must be Mr. Schulze!" - "???" - "I studied your Spartathlon profiles!" In mir entsteht eine Vorahnung, welchen Status der Lauf hier offenbar tatsächlich einnimmt und was da noch alles auf uns zukommen dürfte. Die gute Dame hat also ihre Reservierungslisten mit den Teilnehmerlisten abgeglichen und sich die Fotos eingeprägt. Bin ich schon jetzt berühmt? Irgendwie kommt es mir so vor. Ab jetzt trage ich meist das "Spartathlon Team Germany"-Shirt.

Ich teile das Zimmer mit Bernhard, der noch einen Tag früher angereist ist und schon zweimal teilgenommen hat. Schnell einigen wir uns auf Nichtbenutzen der Klimaanlage (viel zu gefährlich!), nicht zu Schnarchen und Stoßlüften während der Nacht. Denn obwohl das Zimmer zur Meerseite geht, ist es doch recht laut, einerseits durch die alle paar Minuten unten verkehrende Straßenbahn (nette Trasse: ein grünes Band aus dauerbewässertem Gras zieht sich durch die sonst braune Landschaft), andererseits durch die nonstop Musikberieselung unten am hoteleigenen Pool, in den man hier aus dem 5. Stock irgendwie gerne einmal springen würde. Bernhard ist etwas aufgelöst, denn sein Koffer weilt noch in Amsterdam, und er hat Sorge, dass seine Ausrüstung rechtzeitig zur Verfügung stehen wird. Vielleicht fliegt er nächstes Mal doch von Frankfurt aus direkt nach Athen? Soll ja möglich sein.

Beim Abendessen sind schon etliche der insgesamt ca. 30 deutschen Starterinnen und Starter versammelt und ich sehe immerhin 2 Gesichter vom Deutschlandlauf wieder. Ansonsten kenne ich aber sowohl von den Namen her als auch von Angesicht zu Angesicht nur wenige, was meiner Befürchtung Nahrung gibt, hier auf der gänzlich falschen Veranstaltung zu sein. Die scheinen alle in einer anderen Liga zu laufen und ich halte lieber die Schnauze bzgl. meiner Wochenkilometer, 100Meiler, 24h Läufe etc. Kaum einer wird da weniger zu berichten haben. Ich kümmere mich lieber ums wirklich gute Buffet, das auch für Vegetarier ausreichend Komponenten anbietet. Die sonnengereiften Tomaten sind der absolute Hit, wie überhaupt alles Obst und Gemüse, das wohl auschließlich direkt aus der Region kommen dürfte.

Race Days -2
Der heutige Hauptprogrammpunkt ist natürlich das Entgegennehmen der Startunterlagen, also das Check-In. Das passiert ca. 300m entfernt in einem anderen Hotel. Es gibt 2 Startnummern, einen Zeitnahme-Chip, Teilnehmerausweise, Ausweise und Schilder für den Supporter und sein Fahrzeug (es gibt sehr dedizierte Regeln für den Support, dazu später mehr), Starter-Shirt, und etliche Bögen mit Aufklebern für die Drop Bags, die man ggf. zu den VPs schicken lassen will. Die müssen morgen abgegeben werden. Es gibt allerdings keine Taschen oder Tüten dafür, die muss man selbst organisieren (die Profis packen die natürlich bereits zu Hause, sehe ich später). So verbringe ich den Nachmittag mit einem Gang ins Zentrum von Glyfada, um (möglichst auffällige) Abfallbeutel und einige Ergänzungen zu den mitgebrachten Gels und Rieglen zu kaufen. Die Hauptaufgabe besteht aber darin, sich zu entscheiden, an welche VPs man überhaupt Beutel schicken will und was da jeweils drin ist. Und natürlich irgendwo auch zu dokumentieren, an welchen der 74 VPs man seinen Beutel aufnehmen muss. Ich entscheide mich, dies auf der Rückseite der Startnummer zu dokumentieren.

Die Rückseite der Startnummer
mit etlichen Zusatz-Informationen


Es sollte nicht die einizige Folge von Zahlen und Nummern bleiben. Obwohl ich ja Silvio als Supporter haben würde, war zu bedenken, dass er mir nicht beliebig zur Seite stehen würde, sondern ausschließlich an 17 fest definierten sog. Supporter-VPs. Hinzu kam, dass er erst am Vorabend des Rennens erscheinen würde, wo die drop bags bereits abgegeben sein mussten. Lebenswichtige Utensilien wie z.B. die Stirnlampe oder die Regenjacke (ja, auch dazu später mehr) musste ich daher selbst organisieren und verwalten. Und auch sonst würde eben nicht immer alles sofort greifbar sein. Zu Beginn des Rennens liegen die Supporter-VPs weit auseinander, bei km42 und 80. Und das ist immerhin schon ein ausgewachsener Ultra mit fast 10 Stunden Laufzeit. Und gegen Ende des Laufes können 15km Abstand sehr schnell mehr als 2 Stunden bedeuten. Ich entscheide mich aus dem Bauch heraus für eine feste Strategie "alle 20km ein drop bag", was sich zwar ab und zu mit den Supporter-VPs überlappte, insgesamt aber durch diese weiter ergänzt wurde. Alles in allem ging das sehr gut auf. Es ist nicht viel übrig geblieben und ich habe auch nie etwas vermisst. Einige Dosen Red Bull kamen noch extern über Silvio hinzu. Gut für den Kopf. Auf keinen Fall hätte ich diesen Lauf mit alleiniger Versorgung durch die VPs überlebt. Die war in der Regel doch etwas dürftig und nicht immer sachgerecht. Stationen mit Nudeln oder Kartoffeln bildeten die große Ausnahme. Melone gab es einmal (!), obwowhl das hier Pfennigware ist.


Race Days -1
Hauptprogrammpunkt: Nicht mehr so viel bewegen. Mittags drop bags wegbringen. Danach hinlegen und auf die Ankunft von Silvio warten. Er würde alles, was ich potentiell unterwegs brauchen könnte, z.B. Wechselsachen und -schuhe, übernehmen. Er wohnt die Nacht im Zentrum von Athen, und wir hatten ausgemacht, dass er nicht zum Start, sondern erst zum ersten offiziellen Supporter-VP nach 42km in Megara kommen würde. Bis dahin wollte ich ihn per SMS über meine jeweilige Position auf dem Laufenden halten.
Ich war mir schon etwas unsicher, ob der Support im Endeffekt nicht kontra-produktiv sein könnte (bei der BC hatte ich diesbzgl. Desaster in frühen Jahren ja mal erlebt; seitdem laufe ich da immer autark). Aber Silvio ist natürlich selbst sehr erfahrener Ultra-Läufer und absolut freiwillig dabei (ich hatte ihn ja nicht gefragt). Und der Gedanke, dass ich im schlimmsten Fall jederzeit von jedem Ort der Strecke abtransportiert werden könnte, ohne auf Besen-Busse warten zu müssen, war zugegebenermaßen sehr beruhigend. Ich gab mir aufrichtig keine sehr große Chance auf ein Finish, zumindest musste ich ein DNF egal aus welchem Grund immer einkalkulieren (das sieht man auch daran, dass kaum ein Mehrfachtäter beim Spartathlon immer gefinisht hat). Und die Wettervorhersage war auch recht speziell: Null Stunden Sonne am Samstag, dafür immer wieder Regen möglich. Das Ganze bei kaum 20° C (nachdem zuvor lange Hitze mit weit über 30° geherrscht hatte). Nicht unbedingt Idealbedingungen, um erschöpft auf einen Abtransport zu warten (allerdings ansonsten Lauf-Idealbedingungen, und die historisch höchste Finisher-Quote von gut zwei Drittel kam wohl nicht von ungefähr).
Es klappt alles wie geplant, Silvio erscheint mit seinem Miet-Micra, wir gehen alle Listen und Klamottenbeutel durch - und dann heißt es nur noch: Wecker auf 4 Uhr (irgendwie immer noch eine gewohnte Zeit nach dem DL), alles packen wegen Räumung des Hotelzimmers während des Laufs (mein gesamtes Gepäck ging morgens nach Sparta, man konnte aber auch Gepäck im Hotel in Glyfada lassen und nur Teile nach Sparta forwarden), und dann um kurz vor 6 rennfertig sein für diesen Lauf, den man sich vorab besser überhaupt nicht ausmalt. Sonst erschlägt es einen.



Race Day 1, Freitag 29.09., 07:00 - 23:59
Es konnte nicht falsch sein, exakt in der Ausstattung loszulaufen, in der ich auch mindestens 15 Tage beim Deutschlandlauf komplikationslos unterwegs gewesen war. Das blaue NYC Marathon Ärmellose, die alte unzerstörbare Salomon Tight (ohne Unterbüx drunter), das noch ältere Pearl Izumi Stirnband (das früher mal weiß war), das Limmer-Triathlon Cap, das deutschlandfarbene Wristband. Nur an den Füßen (wohl nicht so entscheidend bei einem 246km Läufchen) erlaubte ich mir entgegen allen Regeln und wider jegliche Vernunft ein kleines Experiment: Die Hokas kamen dran (beim DL gar nicht erst dabei gehabt, weil immer irgendwie blöd gewesen bei den Trainingsläufen). Bisher maximal (mit vielen Blasen) 80km am Stück getragen. Dazu die doppellagigen Wright Socks vom DL, irgendwie auch zu dick. Aber es war eben eine Intuition, und der sollte man folgen. - Sicherheitshalber stecke ich mir doch noch ein Paar Falke RU4 in den Hosenbund, immerhin muss ich ja schon mindestens einen Marathon laufen, bis ich bei ersten Treffen mit Silvio an die Wechselsachen kommen kann.
Für alle Fälle habe ich auch die dünne ToniMara Windjacke dabei, wirklich Sommer soll es ja weder heute noch morgen werden. Im Bus zum Start rauscht die Klimaanlage, und Bernhard ist der einzige, der mit nackten Armen dasitzt. Es ist noch stockfinster draußen, als wir eine halbe Stunde vor dem Start unmittelbar unterhalb der Akropolis aussteigen, und uns in die Kolonne der zum Startbereich strebenden Läufer einreihen. 12 Stunden Tageslicht, 12 Stunden Dunkelheit, 12 Stunden Tageslicht - das wird der Rahmen während dieses Laufes sein. So lange es noch dunkel ist, werden alle Möglichkeiten eines letzten Toilettenganges genutzt - GsD gibt es ausreichend Grünbereiche. Wie das dann bei Tageslicht ausgesehen haben mag, male ich mir lieber nicht aus. Ein schnelles Foto der deutschen Teilnehmergruppe noch (auf dem aber einige fehlen), und schon ist es 06:58 und ich stehe ganz ganz am Ende des knapp 400 Leute großen Läuferfeldes.



Es geht los. Tatsächlich. Ich habe mir vorgenommen, auf den ersten Kilometern immer eine "6" als pace-Zahl auf der Uhr zu sehen. Man hat 4:45 Std. Zeit für den ersten Marathon, man hat 12:45 Std. für die ersten 100km. Es wird eine einzige große Energiesparübung werden (gut, dass ich nicht ahnen konnte, dass mir am Ende von meinen Uhren 20.800kcal für den Lauf in Rechnung gestellt werden würden, sonst hätte ich mich sofort weinend hingehockt). Also so gleichmässig wie möglich über die Straßen gleiten. Wir sind natürlich anfangs absolut mitten im Zentrum von Athen unterwegs, an einem Wochentag zur rush hour. Uns umgibt ein unglaubliches Verkehrsgetöse aus Autos, Lastern und vor allem Motorrädern. Und erheblicher Gestank. Mehr als in Deutschland in ähnlicher Situation. EU-Abgaswerte? Wohl nur Papier... Polizisten versuchen, die drängelnden und hupenden Autofahrer in Schach zu halten. Das gelingt auch auf den ersten Kilometern, so lange das Feld noch einigermaßen beisammen ist. Aber schon bald mogeln sich immer mehr Roller und Pkw in unsere Fahrspur, und man muss schon ziemlich achtsam sein, vor allem, wenn quer durch die Läuferkolonne mal eben nach rechts zu einer Tankstelle abgebogen wird.

Nach wenigen Kilometern finden wir uns dann auf dem Standstreifen der überfüllten Stadtautobahn Richtung Korinth wieder, der wir tapfer für längere Zeit durch unglaublich triste suburb-Reviere folgen. Ständig säumen unfassbare Müllberge den Straßenrand, und man erkennt, welchen Wert es offenbar hat, ein möglichst hohes Pfand auf Plastikflaschen zu erheben. Und man erkennt auch, was es mit einem macht, wenn da erst mal Müllhaufen entstanden sind: Ich schmeiße meine leere Geltüte auch da hin, weil es definitiv egal ist. Eine ziemlich erschreckende Selbst-Beobachtung. -
Kein Mensch käme also auf die Idee, freiwillig hier zu joggen. Einzig ein freilaufender Hund (allgegenwärtig in den Städten Griechenlands) sorgt für etwas Auflockerung. Wie selbstverständlich begleitet die nicht gerade austrainierte Töle - so lange ihre Puste reicht - eine Läufergruppe, um dann kurz anzuhalten und durchzuschnaufen, um sich wieder an die nächste, von hinten folgende Gruppe zu hängen. Kilometerlang. Ob sie es auch nach Sparta geschafft hat?
Kategorisiert man ein Rennen zu einem frühen Stadium nach dem spontanen Gefühl, welches das Laufen anfangs vermittelt, so ahne ich schnell, dass das heute (und morgen!?) kein Bombentag für mich wird, aber wohl auch kein ganz schlechter. Ich komme voran, immer hübsch mit leicht angezogener Handbremse, bloß jetzt noch nicht atmen. Silvio informieren, an welchen VPs ich vorbei bin. Trinken, essen - klar, von Anfang an!

Nach 1:52h habe ich die ersten knapp 20km hinter mir, mit 17min Puffer auf den cut off. Viel darf hier wirklich nicht dazwischen kommen. Die ersten 80km muss man wirklich laufen. Erst danach wird es etwas entspannter. - Wir werden über einen Schulhof geleitet, wo Dutzende Kinder Spalier stehen und abgeklatscht werden wollen. Wir rennen an einer endlosen Raffinierie-Anlage vorbei, schöner geht es kaum (doch, später kommt noch eine!). Aber es muss egal sein, ob man das schön findet oder nicht, ich habe hier eine Botschaft zu überbringen, und das wird bis morgen abend dauern. That's it.

erstes Treffen in Megara, km42, 11:15h
Nach 4:15 Stunden rolle ich am VP11 in Megara ein, dem ersten offiziellen Supporter-VP, der überfüllt ist von den ganzen Begleitfahrzeugen. Silvio erwartet mich, es gibt nicht viel zu besprechen, nach 2:20min Pause bin ich mit 30min Puffer schon wieder unterwegs. Mit Schrecken (so schnell vergisst man alles!) erfahre ich, dass wir uns erst wieder bei km80 treffen werden! - Puh, das ist noch ganz schön lang und weit! Unterwegs ist jeglicher Support verboten, maximal darf der Supporter mal an der Strecke stehen (bloß nicht mitlaufen!) und rufen: "Du siehst gut aus!" -

Fr12:28
Am VP17 (km61) liegt mein nächstes drop bag und bisher passen die Rationen optimal und es hat sich noch nichts angestaut. Im Gegenteil, ich futtere und trinke ganz ordentlich. Kann nie schaden, später wird das dann immer schwieriger werden. Die Strecke wird jetzt abschnittsweise richtig einladend,  auf einem schmalen, aber auch nicht wirklich verkehrsarmen Sträßchen in Kurven bergauf und bergab immer direkt an der Steilküste und am Meer entlang, bevor es wieder flacher und offener wird und die nächste, noch größere Raffinerie mit beißendem Ölgestank mehr oder weniger zu durchqueren ist.
Der ganz im Stile eines grauen deutschen Herbsttages bedeckte Himmel tut ein Übriges, dem setting etwas Endzeitliches zu geben. Aber bleiben wir bescheiden: Bessere Laufbedingungen kann es eigentlich gar nicht geben! 20° C, und "mit Rückenwind nach Korinth!" (so der diesmal verhinderte Spartathlon-Dauerrenner Maik D. an der Strecke). Am Ende bin ich mir ziemlich sicher: Unter Normalbedingungen, also ca. 10° höheren Temperaturen und mehr oder weniger anhaltendem Sonnenschein auf der eher schattenlosen Strecke wäre ich wahrscheinlich nicht durchgekommen (ich werde es mir allerdings ersparen, diese Hypothese zu veri- oder falsifizieren). - Ich laufe auf Roland vom DL auf und bleibe lange in seinem Windschatten. Er ist eine gute Orientierung für mich. Schneller muss ich nicht, kann ich aber zugegebenermaßen auch gar nicht. - Plötzlich ein komischer Schritt in eines der allgegenwärtigen Schlaglöcher am Straßenrand und - autsch! - da hat es wohl einen der diversen ohnehin nicht mehr wirklich fest verwachsenen Zehennägel umgeklappt. Meine Füße sind seit dem DL in einem bedauernswerten Zustand und sehen wirklich nicht mehr schön aus. Falls sie das jemals taten. Es gibt da unterschiedliche Meinungen. Egal - was mach ich jetzt? Anhalten und Nachschauen? Besser erstmal weiter, gucken, ob sich das beruhigt. Notfalls bei km80 Schuhe und/oder Socken wechseln. Achja, Socken, da hab ich ja sogar noch welche dabei! - OMG, das hab ich ja beim K..... vor dem Start an der Akropolis schlicht vergessen, und nun werden 2 schöne blaue Falke-Socken da irgendwo in den Büschen liegen. Das kommt von diesen unorthodoxen Sperenzchen. - Ach nee, da ist ja doch noch wenigstens eine unterhalb der Windjacke, die auch im Hosenbund steckt. Ok, ich habe noch eine rechte Ersatzsocke, es tut aber links weh. Vergiss es - einfach weiterlaufen, möglichst rund, das regelt sich wieder ein.

Bei km 78 geht es nach genau 8 Stunden auf einer kleinen Fußgängerbrücke über den Kanal von Korinth. Ich hatte ihn nicht so tief und schmal in Erinnerung (aber 1981 ist ja inzwischen auch eine Weile her) - beeindruckend. - Und eine wichtige Wegmarke: Jetzt sind wir endlich auf der Peleponnes, und dort im Süden liegt (morgen) das Ziel. Gleich danach erreiche ich am Ostrand von Korinth den 2. Supporter-VP bei km80, der mit gut 4min Stillstand zu Buche schlägt. Silvio erwartet mich natürlich. Er hat inzwischen Salzstangen besorgt, so was gibt es leider nicht an den VPs. Ansonsten ist alles im grünen Bereich. Weiter! Mit einem Puffer von 75min mache ich mich wieder auf die Strecke, die zunächst noch einen Halbmarathon lang (eigentlich eine passende Unter-Einheit für den Spartathlon: knapp 12 davon machen das Ganze fast so überschaubar wie eine normale Abendrunde) küstennah westwärts im Tiefland durch Wein- und Olivenhaine führt, bevor sie sich jenseits der 100km-Marke endgültig nach Süden den Hügeln und Bergen der Peleponnes zuwendet.
Endlich sind wir weg von den Hauptstraßen, und der Verkehr beschränkt sich jetzt fast ausschließlich auf die Supporter-Fahrzeuge. Die Berge linkerhand geben eine Vorahnung, was noch alles auf uns zukommen dürfte auf den nächsten 100km. Sehr irritierend sind die großen Schneeflecken an den Bergflanken - nein, das sind offenbar doch nur mit hellen Plastikplanen abgedeckte Weinfelder. Etwas ungeduldig (und leicht zu schnell) strebe ich der 100km-Marke entgegen. Sie ist nach 10Std34min am VP 28 in Assos durchlaufen, geplant war eher eine Stunde mehr. Aber ich fühle mich ganz gut. Silvio verwechselt die VPs und düst schnell weiter zu Nr. 29 bei km102, wo er wieder tätig werden darf und ich meinen Laufrucksack mit dem Nacht-Equipment deponiert habe. Das dortige Dörfchen steht Kopf und ich gebe etliche Autogramme an Kinder, die mit Blöcken und Stiften bewaffnet auf die Läufer warten. So komme ich wenigstens ohne Puls am VP an. Ich mache es mir erstmals auf einem Stuhl gemütlich und konzentriere mich aufs Checken und Umpacken des Rucksacks. In einer Stunde wird es stockfinster sein. Das Ärmellose wird mir jetzt zu kalt und ich ziehe ein TShirt an. Die Zeit verrinnt wie verrückt, über 9min! -
VP29 - km102 - 17:55h

Mit inzwischen doch recht beruhigenden - weil immer noch zunehmenden - 110min Puffer mache ich mich auf die Weiterreise. Jetzt wird es langsam richtig ernst: 100km in den Beinen (länger bin ich bisher nur 3mal unterwegs gewesen), die für mich recht bedrohliche Nacht (ich schlafe gerne!) und vor allem auch das Höhenprofil vor Augen, das jetzt doch deutlich unruhiger werden wird.

Wirklich ärgerlich ist das offiziell vom Veranstalter zur Verfügung gestellte Profil (oben), weil es die wirklichen Verhältnisse (unten), insbesondere zwischen km100 und 150 sowie km170 und 230 schlicht falsch wiedergibt. "Jetzt erstmal immer bergab!" bekomme ich später von Silvio z.B. zu hören (aber ich habe wenigstens eine Ahnung, dass dies nicht so sein muss). Ich rolle in die Dämmerung und die Hügel hinein, einen Halbmarathon bergauf.

Plötzlich ist es ein komplett anderer Lauf. Ruhe. Frische kühle Luft. Das auf- und abschwellende, allgegenwärtige Singen der Zikaden. Wie immer empfinde ich es als wesentlich angenehmer, in die Dunkelheit hinein zu laufen als direkt in ihr zu starten. Einzig ein paar Wolkenlücken wären wünschenswert, um die Sicht auf die Sterne freizugeben, die hier in dieser dünn besiedelten und damit wenig lichtverschmutzten Region bestimmt beeindrucken würde.

Ich finde meinen Schritt. Es geht kontinuierlich, aber nicht steil bergauf. Die Läufer sind plötzlich weit auseinander gezogen, zum ersten Mal laufe ich phasenweise auf dem kurvigen Sträßchen "allein". Ich plane meinen weiteren Lauf: Ich muss an einem der nächsten VPs mehr anziehen, darf auf keinen Fall ins Frösteln kommen. Lange Strümpfe, Armlinge, Kopftuch. Das kostet zwar Zeit - auch die Schuhe müssen für die calfs runter - aber es hilft ja nichts. In Halkion am VP 32 bei km113 rüste ich mich um, das dauert wieder fast 9min. Die im Zehenbereich etwas blutigen Socken zupfe ich nur etwas zurecht, bloß nicht reinschauen. Puffer unverändert bei knapp 2 Stunden. Alles klar. Noch 11km weiter bergauf, bevor kurz hinter Ancient Nemea bei km125 auf einer kurzen Bergab-Passage etwas Erholung anstehen wird.
Ancient Nemea, VP35, km123, 20:55h
Am VP35 hält mir Silvio sein Handy mit etlichen Reaktionen aus der Heimat unter die Nase. Sogar Sprachnachrichten! - Wie toll! - Nein, ich darf die Bande daheim nicht enttäuschen! - Silke soll mich mal anrufen, wenn ich wieder unterwegs bin! - Wow, es sind jetzt schon 2 Stunden Dunkelheit verstrichen, und ich hab sie quasi gar nicht wahrgenommen (die Stunden)! Zu Hause bei einem Trainingslauf war das neulich noch ganz anders. Okay, das darf gerne so weiter gehen... Die Lupine brennt auf niedrigster Stufe mit 0,3W. Das genügt hier allemal und so würde der Akku mehrere Nächte durchhalten. Aber das muss er gar nichtI Außerdem hab ich noch einen zweiten dabei, klar.
Die Verdauung meldet sich, zum ersten Mal seit der Akropolis. Aber das ist ja nun auch schon 14 Stunden her und ich habe seitdem eigentlich kontinuierlich gefuttert (und getrunken). Kleine Mengen natürlich nur, aber kontinuierlich. Am Ende werden es ca. 20 Gels, 250gr Haferkekse, 1 L Kokoswasser, 1 L Powerade, 250gr Datteln, 3 oder 4 Dosen Red Bull und etliche Liter Wasser gewesen sein. Und was man sich sonst noch so an den Stationen greift wie eine Handvoll Nüsse oder ab und zu auch mal eine halbe Scheibe Brot. Da muss also auch mal wieder etwas raus und ich muss innerlich schmunzeln, dass das genau vor der Bergauf-Serpentine rüber nach Nemea passiert und ich da bestimmt gleich förmlich hochfliegen werde.- Ich stelle fest, dass ich hier heute mindestens 3 bis 4 Wettkampf-Distanzen innerhalb des einen Laufs absolvieren werde: den Marathon (geschenkt!), die 100km, die 100 Meilen, die 24 Stunden. Wahrscheinlich wird es sogar eine neue 24h-PB! Verrückt. Und 3mal die BC. Nein, nein, schnell weg mit diesen Gedanken!
Apropos BC: Hier wie dort waren es vergleichbare Irre, die eine selbst aufgeworfene Frage zu beantworten hatten: "Kann man im Winter in einem Tag von Göttingen auf den Brocken laufen?" - "Kann man in anderthalb Tagen von Athen nach Sparta laufen, wie es alte Schriften behaupten?" - Im Fall von Sparta waren es keine Lokalmatadoren wie bei der BC, sondern Briten um den RAF-Offizier John Foden, die 1982 den erfolgreichen Erstversuch unternahmen, woraufhin sich diese Veranstaltung (genau wie die BC) nachhaltig etablierte.
Die Reflexionen darüber, wem man es eigentlich zu verdanken hat, dass man sich hier gerade durch die Nacht quälen darf, werden abrupt beendet, als ab km130 - neben dem Übergang über den Sangas-Pass (mit 1060m höchster Punkt der Strecke nach genau 100 Meilen/161km ) - die einzigen 3 unbefestigten Kilometer der Strecke anstehen. Wenn man 15 Stunden auf mehr oder weniger glattem Asphalt, auf jeden Fall aber ohne Steinchen unter den Füßen, unterwegs war, tut jeder einzelne Schritt auf einer Schotterstrecke ziemlich weh - Hokas hin oder her. Dazu kommen die Staubwolken von den Begleitautos. Es geht auch wieder leicht bergauf. Und es tröpfelt. Ätzend. Nein, nicht kämpfen, viel zu früh. Ich falle zum ersten Mal zurück in den Schritt. Macht aber nichts, diese Passage wird vorbeigehen. Tut sie natürlich auch, und bald schon nimmt mich wieder die kleine gewundene Straße auf, die mich jetzt unweigerlich näher und näher an die "Schlüsselstelle" der Strecke, den Abschnitt zwischen Lirkia und Nestani mit der Überschreitung des Passes bringen wird.
Malandreni, VP40, km140, 23:30h
Zuvor geht es steil hinunter zum nächsten Supporter-VP nach Malandreni. Mitten im downhill klingelt tatsächlich das Telefon und ich kann ein paar Sätze mit der Liebsten wechseln. Das bewahrt mich automatisch vor zu hohem Tempo bergab, potentiell genauso ein Killer wie sonstiges Überpacen. Wir stellen fest, dass wir die Restnacht recht unterschiedlich verbringen werden. Ja, jetzt hinlegen wäre eigentlich nicht schlecht. Geht nur nicht.-
Am VP in Malandreni ist der Bär los, ein echtes Dorffest ganz im Stil der Feiern in den Dörfern in der Nacht rund um Biel. Zum ersten Mal gibt es Nudeln, leider sind sie kalt und die Portionen ohnehin viel zu groß (für mich). Genau wie am VP35 brauche ich wieder gut 8min für die Reorganisation. Silvio und ich verkriechen uns aus dem Gewusel in eine stille Ecke am Rand. Wir machen aus, dass wir uns erst wieder am Mountain Base treffen werden, wo der single trail über den Paß beginnt. Es sind zwar nur 20km bis dort, aber die beinhalten gut 600 Höhenmeter und bedeuten damit am Ende auch tatsächlich fast 3,5 Stunden "Pause" für ihn am Stück. Die BC mit dem Entsafter lässt grüßen (allerdings hat man da genau 100km weniger in den Beinen).

Race Day 2, Samstag 30.09., 00:00 - 17:57
Am tiefsten Punkt der Strecke jenseits der 100km-Marke, direkt hinter VP41 "Junction to Lirkia" auf 155m NN, fallen dann einige denkwürdige Ereignisse zusammen: 1. Mein Garmin 310XT piepst und signalisiert "Batterie schwach". 2. Es ist auf die Sekunde genau Mitternacht, er und ich sind also seit 17 Stunden unterwegs (womit sein Piepsen mehr als legitim ist). 3. Es sind noch 100km bis ins Ziel (na gut: 102,6). - Ich bin von mir selbst begeistert, dass ich die 2. GPS-Uhr (A-rival SQ100) schon 3km zuvor in Malandreni gebootet hatte und es jetzt nur noch 2 Klicks sind, die eine zu stoppen und die andere zu starten. Und ich werde wegen der genannten "glatten" Eckdaten keine Schwierigkeiten haben, die Angaben zum 2. Teil-Track auf's Ganze umzurechnen (die Gesamt-Pace ist ja wie gesagt komplett egal, was zählt ist der Puffer zum Cut off - oh, ich vergaß zu erwähnen, dass der genau in diesem Bereich der Strecke mit 2:20h seinen größten Wert insgesamt annahm).
Also hinein in die allmähliche Steigung, die sich zunächst eher unmerklich präsentiert und einem dieses quälende Gefühl von "wieso fällt das Laufen nur so schwer?" vermittelt. Aber schon bald wird der Blick frei auf einen imposanten Talschluß, an dem weit oben am Hang die Lichterkette der beleuchteten Autobahn verläuft und sich eine unübersehbare Lichterkette aus Stirnlampen in großen Zick-Zack-Schwüngen die Flanke emporwindet. Na Mahlzeit! Aber ich bin auch froh, endlich diesen spannenderen Streckenabschnitt, um den sich viele mehr oder wenige wilde Erzählungen ranken, erreicht zu haben. Hinter dem Pass geht es zum Ziel, das steht fest. Ich werde da hoch kommen und mir die erforderliche Zeit nehmen. Was sonst!? - Nachdem ich Lirkia und einen weiteren VP im letzten Bergdorf passiert habe, beginnt es unvermittelt recht bestimmt zu regnen. Recht feine, aber dichte Tropfen... Der Wind bläst dazu wie den ganzen Tag schon weiter recht frisch, und mit steigender Höhe und späterer Uhrzeit natürlich auch zunehmend kühl. Ich hole die Regenjacke aus dem Rucksack - wäre ja auch zu schön gewesen, sie mal umsonst mitzutragen - ziehe sie einfach mit über den Rucksack und verkrieche mich unter der Kapuze. Es ist gut zu wissen, dass man sich auf dieses Teil verlassen kann, die Zugspitz-Runden 2015 und 2016 lassen schön grüßen. Die Brille fängt an, im Dampf zu beschlagen, die Hände werden kalt, das Telefon summt im Rucksack aber ich komme nicht mehr ran. Die Rampe ist gerade etwas zu steil für mich, als dass ich sie ohne Gefahr vorzeitiger Erschöpfung noch laufen könnte, und das Wandern dauert wie immer ewig. Aber es gibt genügend Leidensgenossen um mich rum und nach etlichen langen Kehren unterqueren wir die Autobahn und sind gleich darauf am VP47 Mountain Base, wo aufgrund der Enge ein ziemliches Chaos aus ankommenden und abfahrenden Supporter-Fahrzeugen herrscht. Es ist kurz vor 3 Uhr morgens, es regnet und stürmt, und es hat vielleicht so 12° C, schwer zu schätzen in der Nässe. Irgendwie finde ich Silvio in dem Getümmel und wir versuchen uns unter das Dach eines Pavillions zu drücken. Es ist alles wenig erholsam und in Gedanken bin ich sowieso schon auf den letzten steilen 2km den Pfad hinauf zum Paß. Trotzdem ist unsere Stimmung immer noch erstaunlich gut und entspannt. Wir werden uns auf der anderen Seite in Nestani wieder sehen. Für Silvio sind es wenige Minuten auf der Autobahn durch einen Tunnel, ich werde genau 2 Stunden für die knapp 12km über den Kamm brauchen. Gut, dass ich das jetzt noch nicht weiß.
Impression vom Trail hinauf zum Sangas-Paß
Mit über 2 Stunden auf den cut off begebe ich mich im inzwischen zum Sturm aufgefrischten Wind wieder auf den Trail. Die Strecke ist ab jetzt beidseitig durchgehend mit Flatterband abgesteckt, wofür ich äußerst dankbar bin, denn sehen kann ich durch die nasse, beschlagene Brille kaum noch etwas (Kann es eigentlich irgendwann bitte auch mal irgendwo eine trockene Lauf-Nacht geben? Danke!). Zusätzlich gibt es rote Positionsleuchten, die manchmal nur wenige Meter voneinander entfernt sind und zusätzlich stehen Posten an der Strecke. Man könnte meinen, dass dieser Aufwand etwas übertrieben sei, aber ganz ungefährlich ist der Weg tatsächlich nicht, man könnte schon mal ein paar Meter abstürzen, aber vor allem muss man wohl auch den Zustand der Leute ins Kalkül ziehen, die hier mehrheitlich seit über 18 Stunden auf den Beinen sind. -
Ich arbeite mich kontinuierlich hoch, genieße es innerlich, dass mir als altem Brocken-Challenger so ein Wetterchen und Lüftchen doch nur ein feuchtes Stirnrunzeln entlocken kann und finde es fast witzig, als die Sicht bei waagrechtem Regen kurz vor dem Paß, der ja fast genau so hoch ist wie der Brocken, im Nebel auf die dort üblichen 5 Meter abnimmt. Damit muss die Stirnlampe komplett runtergedimmt werden, und man sieht gar nichts mehr, aber mit Flutlicht sieht man im Nebel eben auch nichts. Ergo: Gaanz langsam auf der anderen Seite wieder runter, durch den knöcheltiefen, mit großen Blöcken durchsetzten Matsch einer Fahrstraße, deren Serpentinen ich manchmal erst erkenne, wenn ich vor ihrer Stirnwand stehe. Der VP oben am höchsten Punkt ist wohl der undankbarste und härteste der ganzen Strecke, keine Sekunde bleibe ich stehen. Dabei hat man da oben fast metergenau die 100 Meilen voll (für mich 20:09h, ergeben die Analysen hinterher), was allemal ein Grund zum Feiern wäre. Ich hole einen Läufer ein, der offenbar gar keine Lampe hat und auch nichts auf dem Kopf (ich: Stirnband, Mütze, Kapuze), und ich frage mich, wie er das macht und überlebt und hoffe, dass er sich nicht hinlegt und ich ihn retten muss, denn dabei würde ich wohl zusammen mit ihm erfrieren. Lange Hose, Rettungsfolie? - Schön wär's. Ich Idiot! Aber es geht alles gut und irgendwann haben wir wieder Boden unter den Füßen und erreichen im Dörfchen Sagas wieder die Zivilisation. Und es hilft nichts: Es geht leicht bergab, es gibt keinen Grund, seit ziemlich langer Zeit nicht mal wieder anzutraben und wieder in einen Rhythmus zu finden. Noch liegt mehr als ein Rennsteig vor mir - oh nein! - verbotener Gedanke. Auf jeden Fall ist es für eine Wanderung noch viel zu weit. Die Wassertropfen und die Spannung fallen zusehends von mir ab, "das Ding" liegt hinter mir, und jetzt folgen etliche eher ruhige Kilometer über eine Art Hochebene in 700 bis 800m, so meine vage Erinnerung, bevor es gegen Ende hin noch einmal über den Rand der Suppenschüssel hinauf geht und die letzten 20km nach Sparta abfällt. "Ganz böse Rampe da bei 206!", hab ich noch von einem deutschen Teilnehmer im Ohr.
Nestani VP52, 172km, 05:10h
In Nestani gibt es Silvio und Kartoffeln - wie gut! - und ich sehe erstaunt, dass ich immer noch 2:20h Puffer habe. Bei normalen Bedingungen wäre ich deutlich schneller gewesen und hätte mein Polster wohl weiter ausbauen können. - Und ganz langsam darf ich jetzt auch schon mal zur Uhr schielen, bzw. zum Himmel (oh! da! ein paar Sterne!), ob sich schon irgend etwas Richtung Morgendämmerung tut. - Nein, das dauert noch, und passiert hier letztlich - wie wir heute?/gestern? Morgen an der Akropolis gesehen haben, innerhalb weniger Minuten. Trotzdem - die so gefürchtete lange Nacht liegt so gut wie hinter mir, und ich habe nicht ein einziges Mal ein Gefühl von Müdigkeit im Sinne von Schlafbedürfnis empfunden. Sehr merkwürdig! Aber die abwechslungsreiche Strecke mit ihrem Kulminationspunkt genau zur "Toten Zeit" zwischen 3 und 5 Uhr hat dies wohl im Gegensatz zum langweiligen Kreiseln bei einem 24h-Lauf, das ich noch nie ohne Schlafpause überstanden habe, ganz einfach nicht zugelassen. Ich dürfte zwei Drittel der Gesamtzeit hinter mir haben, streckenmäßig sogar etwas mehr. Nur noch ein Drittel! Das beruhigt. Das geht immer! Nur noch durch den Tag kommen. Ich will da hin. Ich muss da hin, denn ich bin ein Bote.
Von der Flanke des Hügels, an dem Nestani klebt, geht es hinunter in die intra-montane Beckenlandschaft rund um Tripoli (die ich freilich jetzt noch gar nicht sehen kann). Lange, flache Geraden charakterisieren jetzt die Strecke, Segen und Fluch zugleich, denn ich finde zwar schnell wieder einen Rhythmus, aber jeder Schritt will auch aktiv gelaufen sein. In den Morgenstunden nimmt der Verkehr wieder deutlich zu und mit der nächtlichen Ruhe ist es bald vorbei. Die ersten Erntehelfer werden auf offenen Anhängern zu den Weinfeldern gekarrt. Nur sehr zaghaft wandelt sich das Schwarz der Nacht über ein Dunkelgrau zu einem Mittelgrau, und wirklich hell wird es auch erstmal nicht. Als Mitteleuropäer (und Mitteldeutscher) muss man sich also nicht groß umstellen. Trotzdem etwas schade, aber auf die physischen Laufbedingungen bezogen nach wie vor ein großes Glück. Merkwürdigerweise ist dies jetzt die einzige Phase des Rennens, während der ich für ungefähr eine Stunde wirklich müde bin und mich zwingen muss, meine Konzentration auf die kontinuierliche Ernährung und die Abstimmungen mit Silvio aufrecht zu erhalten. Und ich verpasse auch, den Moment und den Ort live wahrzunehmen, an dem ich 24 Stunden unterwegs bin. Hinterher weiß ich dann, dass es bei km182,4 war.
Alea-Tegea, VP60, km195, 09:03h
Wir bewegen uns langsam aber sicher, Tripolis immer östlich umgehend, auf den Rand der Suppenschüssel zu, und ich versuche auszumachen, auf welcher Trasse wir sie wohl verlassen werden. Noch ein Anstieg von knapp 300 Höhenmetern, dann etwas wellig, und dann weit hinunter nach Sparta - so meine grobe Erinnerung an das "echte" Höhenprofil, das Silvio leider (oder Gott sei Dank?) nicht dabei hat. Bleibt nur die Frage, wo diese letzte Steigung auf mich wartet, mir schwirren 3 Zahlen durch den Kopf - 206, 212, 223km. Klingt erstmal nicht sehr kriegsentscheidend, muss aber vor dem Hintergrund gesehen werden, dass man hier von Unsicherheiten redet, die sich eher auf Stunden Zeitunterschied belaufen als auf ein paar Minuten. Die Gewißheit kommt dann mit großer Klarheit: bei km ?? biegen wir auf eine größere Straße ein, und die macht nach einem kerzengeraden flachen Kilometer einen sehr eleganten Rechtsschwung den Hang hinauf, um in den Hügeln zu verschwinden. Also denn - pack'mers! - Es ist ziemlich steil, Laufen für mich ausgeschlossen (auch für alle anderen um mich rum), und selbst der Wanderschritt lässt den Puls ordentlich in die Höhe schnellen. Dazu kommt tatsächlich auch noch immer mal wieder die Sonne durch - und mir wird spätestens jetzt klar, dass ein Spartathlon unter blauem Himmel eine völlig andere Veranstaltung sein muss.

Hätte ich zu diesem Zeitpunkt geahnt, was der Rest der Strecke noch für mich bereithält, ich denke, ich hätte kapituliert. Fast 30km lang ein stetiger Wechsel von langen, recht steilen (nur noch gehbaren) Anstiegen, ätzenden (nur teilweise laufbaren) Flachpassagen und immer viel zu kurzen, irgendwie unentschlossenen (und muskulär schmerzhaften) Downhills auf einer gut ausgebauten Schnellstraße, auf der man weit vorausschauen kann und so das kommende Unheil auf sich zukommen sieht. Eigentlich naheliegend, sich auch mal mit etwas Musik abzulenken. Geht aber nicht, denn Ohrstöpsel etc. sind komplett verboten, übrigens genauso wie Stöcke. Es bleibt also nur: Viel Verkehr, schneller Verkehr, lauter Verkehr. Kein Radweg, nur der Pannenstreifen (und daneben der Müll). Aber jeder zweite Fahrer hupt freundlich und die Beifahrer winken aus den Seitenfenstern. Sparta kann nicht mehr allzuweit sein. Silvio bekommt meinen latenten Frust mit und baut bald Vorab-Streckenerkundungen in sein selbstloses Support-Paket ein: "Nach dem nächsten Hügel geht es nur noch bergab!" - Ich glaube solche Aussagen keinem, weil ich in hunderten Läufen noch nie erlebt habe, dass sie wirklich zutreffen. Aber ich schätze seine Absicht sehr, mir hier irgendwie bei Laune halten zu wollen. Und das gelingt auch, denn letztlich komme ich stimmungsmäßig immer wieder auf den Pfad der Tugend zurück und weiß, dass ich das hier heute finishen werde und weiß, dass wenn man 15km vor dem Ziel noch auf 900m NN ist und das Ziel auf 200m NN liegt, es irgendwann dermaßen nur noch bergab gehen muss, sogar auf der Peleponnes und beim Spartathlon.

Papantonis, VP63, km206, 10:58h
Irgendwann ist es dann auch soweit. Längst ist klar, dass ich mir 4km/h bis ins Ziel leisten kann und trotzdem im Zeitrahmen finishen werde. Wir biegen bei km ?? von der Schnellstraße ab. Nach langen ?? Stunden, die ich für die ??km seit der ersten Steigung gebraucht habe, geht es bergab, richtig bergab. Und es tut weh, richtig weh. Oberhalb des rechten Knies, dort, wo früher (als Radfahrer) mal ein solides Muskelpaket prangte und wo heute irgendwie nur noch Leere gähnt. Eine Entscheidung steht an: Laufe ich hier jetzt auf den letzten 10km in die Schmerzen rein, wobei die pace trotzdem bescheiden bleiben dürfte, und komme dann richtig zerstört ins Ziel, oder akzeptiere ich (wie auf den letzten 3 Etappen des Deutschland-Laufes), dass dieser Körper jetzt genug hat und maximal mögliche Schonung verdient. Ich erinnere mich, dass ich mir für diesen Lauf geschworen (und geglaubt!) hatte, nichts als das Finishen in den Fokus zu stellen. Insofern fällt die Antwort schnell und ohne Reue: Es ist egal, ob ich nach 34 oder 35 Stunden ankomme, ob mich noch 50 Leute überholen. Ich finishe heute den Spartathlon (und nie wieder!), und ich werde keinen Fall für die medizinische Abteilung gleich neben dem Ziel abgeben.
Gedacht - getan. Und was gibt es Besseres, als wirklich sehr entspannt diese sagenhafte Atmosphäre aufzusaugen, die sich mit der Annäherung an die von hohen Bergzügen umrahmte Stadt und dann auf den letzten 3 km durch die Straßen Spartas kontinuierlich zu einem kleinen persönlichen Triumphzug steigert. - Ich bin da!! - Die letzten 500m hinauf zur Statue. Ich schaue mich um. Nicht, weil ich von hinten anrückende "Gegner" fürchte, sondern weil ich sie ggf. alle vorbei lassen will, um "ganz alleine" vor die Statue von König Leonidas zu treten, seine Füße zu berühren und damit dieses Rennen zu beenden. - Ein frommer Wunsch, denn die Finisher-Dichte ist in diesem Zeitbereich doch recht hoch und auch neben der Strecke sind die Massen auf den Beinen. Mit Mühe schaffe ich es, nach dem ganzen Händeschütteln und Abklatschen noch vor der 35h-Marke auf die Zeitmatte zu treten. Silvio umschwirrt mich und fotografiert. Er hatte schon Sorge, wo ich bliebe. Das mit dem Füße küssen hätte ich dann auch wirklich vergessen vor lauter Olivenzweigkronen, Olivenpokal, FinisherShirt, geweihtem Wasser (leider kein Wein!?) schlürfen und Gratulationen von Halbgöttinen in Weiß. Aber wozu hat man einen Supporter? Der erinnert einen auch noch daran! Und hat bereits vorher im 300m entfernten Hotel eingecheckt, sodass ich auf die fürsorgliche Nachfrage der medizinischen Abteilung ziemlich bestimmt antworten kann: "Thanks, I don't need anything! - I'm fine. " Ok, sie scheinen es mir abzunehmen. Dabei quittiert mir mein Körper den plötzlich über ihn hereingebrochenen Stillstand bzw. das Wissen, endlich nicht mehr weiter zu müssen, mit spontaner absoluter Bewegungsunfähigkeit. Über dem rechten Knie quillt ein ziemliches Ei hervor. Trotzdem schaffe ich es noch irgendwie unter die Dusche (nachdem der Supporter mich von den Schuhen befreit hat, welche auf diesem Trip locker 3mm Sohle verloren haben und direkt in die Tonne wandern) und kriege beim Rauskommen nicht mal den berüchtigten Post-Ultra-Schüttelfrost. Zuerst mal ab in die Horizontale - mit einem köstlichen Mythos-Bier aus der Dose (Supporter!), und hoffen, dass der Hunger einen später noch einmal hochtreibt. Und die Beschreibung des Zustands meiner Füße hebe ich mir besser bis morgen auf.























Race Days +1


Race Days +2




(ja, es fehlt noch was!)




Müll verführt

bloß nicht sakristeien




wieso war der Lauf mit diesem Nicht-Training möglich?


Trainingsdaten



road trip back

















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